Das Berliner Lautarchiv ist ein historisches Schallarchiv. Es beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Schellackplatten mit zum Teil einzigartigen Sprach- und Musikaufnahmen aus der Frühzeit der akustischen Aufnahmetechnik.
Das Berliner Lautarchiv ist am Musikwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin untergebracht. Seit 1997 ist es Teil des Projekts zur Erschließung der wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität, das am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik koordiniert wird.Das Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin wurde am 1. April 1920 als Lautabteilung an der Preußischen Staatsbibliothek gegründet. Initiator und erster Direktor war der Gymnasiallehrer und Sprachwissenschaftler Wilhelm Doegen.
Den Grundstock des Archivs bildete zunächst eine Sammlung grammophonischer Aufnahmen, die während des Ersten Weltkrieges unter Federführung der Königlich Preußischen Phonographischen Kommission und unter maßgeblicher Beteiligung Wilhelm Doegens in deutschen Kriegsgefangenenlagern entstanden war und die Sprach- und Musikaufnahmen in rund 250 Sprachen umfasste.
Des Weiteren wurde eine seit 1917 gemeinsam von Wilhelm Doegen und dem Chemiker Prof. Dr. Ludwig Darmstaedter an der Preußischen Staatsbibliothek aufgebaute Sammlung von Stimmportraits berühmter Persönlichkeiten des frühen 20. Jahrhunderts in den Bestand übernommen.
Ab 1922 begann die Lautabteilung mit einer eigenständigen Sammeltätigkeit, deren vorrangiges Ziel in einer umfassenden Dokumentation deutscher Mundarten bestand. Aber auch Aufnahmen fremder Sprachen und Dialekte wurden weiterhin angefertigt, sofern sich die Möglichkeit dazu bot. Vereinzelt wurden auch gezielte Aufnahmeexpeditionen ins europäische Ausland unternommen, so etwa nach Lettland, Irland und in die Schweiz.
1934 wurde die Lautabteilung als Institut für Lautforschung an die Berliner Universität überführt. Die Leitung übernahm der Afrikanist und Phonetiker Diedrich Westermann, der das Institut in eine wissenschaftliche Lehr- und Forschungseinrichtung für Phonetik umwandelte. Fortan unterteilte sich das Institut in eine linguistische Abteilung, eine Musikabteilung und ein phonetisches Laboratorium. Die wissenschaftlichen Sprachaufnahmen und die Stimmaufnahmen berühmter Persönlichkeiten wurden fortgeführt. Als zusätzliche Aufgaben kamen die Erteilung phonetischen Unterrichts und die Herstellung von Sprachplatten für den Deutschunterricht hinzu. Während des Zweiten Weltkriegs wurden wieder Sprach- und Musikaufnahmen in deutschen Kriegsgefangenenlagern durchgeführt, allerdings nicht mehr in dem selben Umfang, wie im Ersten Weltkrieg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete das Institut unter wechselnden Bezeichnungen weiter, bis es 1969 seine Eigenständigkeit einbüßte und als Abteilung Phonetik/Sprechwissenschaft in der Sektion Rehabilitationspädagogik und Kommunikationswissenschaft der Humboldt-Universität aufging.
Heute gehört das Lautarchiv zum Musikwissenschaftlichen Seminar der Humboldt- Universität. 1997 wurde es in das Projekt zur Erschließung der universitätseigenen Sammlungen aufgenommen. Im Jahr 1999 begann die systematische Erschließung des Bestandes und die Digitalisierung der historischen Aufnahmen.
Wilhelm Doegen, der Gründer und erste Direktor des Berliner Lautarchivs, wurde am 17.03. 1877, dem Jahr der Erfindung des Phonographen durch Thomas A. Edison, in Berlin geboren. An der Berliner Universität studierte er zunächst Nationalökonomie und Handelsrecht, um sich dann jedoch schon bald der Neuphilologie zuzuwenden. 1899/1900 verbrachte Doegen ein Semester an der Universität Oxford, wo er bei Henry Sweet studierte, der maßgeblich an der Entwicklung der phonetischen Umschrift beteiligt war und der zu den Pionieren der modernen Phonetik zählt.
Die Begegnung mit Sweet und seiner phonetischen Umschrift hat Doegen nach eigenem Bekunden stark beeinflusst. 1904 schloss er sein Lehramtsstudium für Englisch, Französisch und Deutsch mit einer Arbeit über "die Verwendung der Phonetik im Englischen Anfangsunterricht" ab. Als Lehrer an einem Berliner Realgymnasium engagierte er sich in der Folgezeit für die Verwendung der phonetischen Schrift in Lehrbüchern.
Inwischen hatte Doegen aber auch das neue Medium der Schallplatte für seine Zwecke entdeckt. Die Schallplatte erschien ihm als ideales Hilfsmittel für den Fremdsprachenunterricht und hier insbesondere für den phonetischen Unterricht. Gemeinsam mit den Berliner ODEON-Schallplattenwerken erarbeitete er ab 1909 die mehrbändige Reihe "Doegens Unterrichtshefte für die selbständige Erlernung fremder Sprachen mit Hilfe der Lautschrift und der Sprechmaschine."
Doegens innovative Ideen fanden schnell Verbreitung. 1912 setzten bereits etwa 1000 Schulen und einige Universitäten im Deutschen Reich Lautplatten im Fremdsprachenunterricht ein. Der Umfang des auf Lautplatten zur Verfügung stehenden Lehrmaterials nahm rapide zu. Verstärkt wurden jetzt auch klassische Werke der englischen und französischen Literatur aufgenommen, die von muttersprachlichen Schauspielern gelesen wurden.
Auch international erregte Doegen Aufsehen. Auf der Brüsseler Weltausstellung 1910 erhielt er für die Einführung der Schallplatte in Forschung und Lehre eine besondere Auszeichnung.
Der große Erfolg seiner "Lautplatten" veranlasste Doegen 1914 dazu, dem Preußischen Kultusministerium einen Vorschlag zur Errichtung eines Königlich Preußischen Phonetischen Instituts zu unterbreiten, dessen vorrangige Aufgabe in der Dokumentation der Sprachen, der Musik und des Gesangs sämtlicher Völker der Erde sowie sämtlicher deutscher Mundarten und der Stimmen der "großen Persönlichkeiten" bestehen sollte. Doegen schwebte die Schaffung eines umfassenden "Stimmenmuseums der Völker" vor. Zur Erreichung dieses Ziels sollten die Kriegssituation ausgenutzt und in einer breit angelegten Sammelaktion zunächst die Sprachen und die Musik der in den deutschen Kriegsgefangenenlagern internierten ausländischen Soldaten aufgenommen werden.
Doegens Vorschlag führte zur Gründung der Königlich Preußischen Phonographischen Kommission, die von 1915 bis 1918 deutsche Internierungslager bereiste und die von Doegen angeregten Aufnahmen durchführte. Doegen selbst wurde die Verantwortung für die praktische und organisatorische Durchführung der Aufnahmen übertragen.
Nach Ende des Krieges übernahm Doegen die Verwaltung der grammophonischen Sprachaufnahmen, die die phonographische Kommission angefertigt hatte. 1920 wurde die Sammlung unter seiner Leitung der Preußischen Staatsbibliothek angegliedert.
In den folgenden Jahren widmete sich Doegen vorwiegend dem Ausbau der Sammlungsbestände, wobei das Sammlungsgebiet thematisch erheblich erweitert wurde. Neben den Sprachen und der Musik sämtlicher Völker der Welt wurden nun auch verstärkt deutsche Mundarten dokumentiert.
Doegen leitete die Lautabteilung der Preußischen Staatsbibliothek, bis er im Juli 1930 wegen eines Verstoßes gegen geltende Haushaltsvorschriften suspendiert wurde. Seine wissenschaftliche Arbeit konnte er im Oktober 1931 zwar noch einmal aufnehmen, die Verwaltung der Lautabteilung wurde jedoch dauerhaft der Berliner Universität unterstellt.
Wilhelm Doegens Verbindung mit der Lautabteilung endete mit seiner endgültigen Entlassung durch die Nationalsozialisten im Mai 1933. Die Entlassung erfolgte auf der Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", das einen Monat zuvor von der Reichsregierung erlassen worden war und das vor allem als Instrument zur Gleichschaltung des öffentlichen Dienstes dienen sollte.
Ein Großteil der heute im Berliner Lautarchiv befindlichen historischen Tondokumente geht auf die Arbeit einer wissenschaftlichen Kommission zurück, die 1915 durch das Preußische Kultusministerium eingesetzt wurde. Die Aufgabe dieser "Königlich Preußischen Phonographischen Kommission" bestand darin, die Sprachen und die Musik der in den deutschen Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkriegs vertretenen Völker auf Lautplatten aufzunehmen und zu dokumentieren.
Die Initiative zur Gründung dieser Kommission ging von dem Sprachlehrer Wilhelm Doegen aus, der dem Preußischen Kultusministerium 1914 einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet hatte und der mit der Sammeltätigkeit in den Internierungslagern den Grundstein für ein allgemeines "Stimmenmuseum der Völker" legen zu können hoffte.
Der Kommission gehörten mehr als dreißig namhafte deutsche Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen an. Den Vorsitz übernahm der Psychologe und Gründer des Berliner Phonogramm Archivs, Carl Stumpf, der auch die Fachgruppe Musik leitete.
Die Phonographische Kommission arbeitete von 1915 bis 1919 und fertigte in diesem Zeitraum in 175 Internierungslagern insgesamt 1650 Lautplatten sowie 1020 Aufnahmen auf Wachswalzen an. Während es sich bei den grammophonischen Lautplatten überwiegend um Aufnahmen verschiedener Sprachen und Dialekte handelt, enthalten die mit einem Edison-Phonographen erstellten Walzen ausschließlich Musik.
Jede einzelne Aufnahme wurde umfänglich dokumentiert. Neben einer Fotografie des Sprechers bzw. Sängers wurde ein Personalbogen mit Angaben zu seiner Herkunft, seinem sozialen Hintergrund und seinen Sprachkenntnissen erstellt. Von den rezitierten Texten oder Liedern wurden eine originalsprachliche Niederschrift, eine phonetische Transkription und eine Übersetzung angefertigt.
Ursprünglich sollten die akustischen Sammlungen der Phonographischen Kommission nach Kriegsende als Eigentum des Kultusministeriums zusammengehalten werden. Als Aufbewahrungsorte waren die Akademie der Wissenschaften oder die Preußische Staatsbibliothek erwogen worden. Tatsächlich aber wurden die Sammlungen 1920 getrennt. Die Wachswalzen mit den Musikaufnahmen gelangten in das Berliner Phonogramm Archiv, während die Lautplatten, die überwiegend Sprachaufnahmen enthielten, an die Preußische Staatsbibliothek übergingen, wo sie den Grundstock der neu geschaffenen und von Wilhelm Doegen geleiteten Lautabteilung bildeten.
Die Voraussetzung für die Entstehung akustischer Sammlungen wie der des Berliner Lautarchivs war die Erfindung des Phonographen durch Thomas A. Edison im Jahre 1877 sowie des Grammophons durch Emile Berliner im Jahre 1887. Mit Hilfe dieser Geräte war es erstmals möglich, akustische Ereignisse aufzuzeichnen und in reproduzierbarer Form zu konservieren. Schon bald erkannten Wissenschaftler verschiedener Disziplinen das Potential, das in diesen Erfindungen lag. Insbesondere für Sprach- und Musikwissenschaftler eröffnete die Möglichkeit, gesprochene Sprache und Musik, die unbeständigsten menschlichen Ausdrucksformen, auf Wachswalzen oder Schellackplatten festhalten zu können, ganz neue Perspektiven. Das aufgezeichnete Material konnte beliebig oft abgehört, transkribiert, analysiert und systematisch verglichen werden. Und es konnte für die Nachwelt aufbewahrt werden.
Bereits im Jahre 1899 wurde an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit dem Wiener Phonogrammarchiv die weltweit erste wissenschaftliche Institution gegründet, die sich der systematischen Sammlung akustischer Zeugnisse widmete und die für viele später gegründete Schallarchive eine Vorbildfunktion hatte. Gesammelt wurden auch hier Sprach- und Musikaufnahmen, wobei die außereuropäische Musik einen Schwerpunkt darstellte, sowie Stimmportraits berühmter Persönlichkeiten.
Für Musikaufnahmen, insbesondere für die musikalische Feldforschung, wurde anfangs meist der Edison-Phonograph bevorzugt, bei dem die Töne im sog. Tiefenschriftverfahren vertikal in eine Wachswalze geschrieben wurden. Die Vorteile des Phonographen gegenüber dem Grammophon bestanden vor allem in seinem relativ niedrigen Gewicht und dem Umstand, dass er ohne elektrischen Strom zu betreiben war, was den Einsatz auch in entlegenen Regionen ermöglichte. Überdies war er auch für Laien relativ einfach zu bedienen und das Aufnahmeergebnis war vor Ort sofort reproduzierbar. Für Aufnahmen mit einem Grammophon, das mit dem Seitenschriftverfahren arbeitete, bei dem die Schallaufzeichnung in horizontaler Auslenkung auf einer Wachsplatte erfolgte, war stets ein ganzes Team von Technikern erforderlich. Die Aufnahmen konnten normalerweise nicht sofort abgehört werden. Dafür war die Qualität der grammophonischen Aufnahmen der der Edison-Walzen in der Regel deutlich überlegen.
Der Bestand des Lautarchivs umfasst insgesamt ca. 7500 Schellackplatten. Der weitaus größte Teil davon enthält Sprachaufnahmen verschiedener Art. Nur etwa ein Drittel der Platten enthält Musikaufnahmen. Die älteste noch vorhandene Aufnahme stammt aus dem Jahr 1909, die jüngste wurde 1944 angefertigt.
Thematisch weisen die Tondokumente des Lautarchivs ein breites Spektrum auf. Am stärksten vertreten sind Aufnahmen fremder Sprachen und Musiktraditionen, wobei die Aufnahmen der Königlich Preußischen Phonographischen Kommission besonders hervorzuheben sind. Während des Ersten Weltkrieges in deutschen Kriegsgefangenenlagern entstanden, dokumentieren sie ca. 250 Sprachen der dort internierten Soldaten.
Einen zweiten Schwerpunkt bilden Aufnahmen deutscher Mundarten, die überwiegend aus den 1920er Jahren stammen. Ihr Anteil am Gesamtbestand beläuft sich etwa auf 20-30%.
Darüber hinaus beherbergt das Lautarchiv eine Sammlung von Stimmportraits berühmter Persönlichkeiten des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik sowie einige wenige Aufnahmen von Tierstimmen.
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Die Aufnahmen der Königlich Preußischen Phonographischen Kommission aus den deutschen Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkriegs stellen mit 1650 Schellackplatten die umfangreichste Einzelsammlung des Lautarchivs dar. Die Kommission verfolgte mit ihrer Aufnahmetätigkeit das Ziel, die Sprachen und die Musik der in den Lagern internierten Soldaten zu dokumentieren und damit zugleich den Grundstein für ein allgemeines "Stimmenmuseum der Völker" zu legen, in dem am Ende alle Sprachen der Welt erfasst sein sollten.
Für die einzelnen Aufnahmen wurden den internierten Soldaten meist bestimmte Wörter, Zahlen oder Texte zum Ablesen vorgelegt. Es finden sich aber auch frei erzählte Geschichten, Märchen und Anekdoten. Bei den Musikaufnahmen handelt es sich überwiegend um Gesangsaufnahmen, nur wenige Aufnahmen sind rein instrumental.
Jede einzelne Aufnahme wurde durch eine umfassende Dokumentation ergänzt. Zu jedem Sprecher oder Sänger wurde ein sogenannter Personlabogen erstellt, der Angaben zu seinem Alter, seiner Herkunft, seiner Schulbildung und seinen Sprachkenntnissen enthielt. Auch Fotografien der Interpreten wurden angefertigt. Die vorgetragenen Texte oder Lieder wurden zusätzlich schriftlich fixiert, phonetisch transkribiert und ggf. übersetzt. Musik wurde in Notenschrift übertragen.
Ein Großteil der im Lautarchiv befindlichen Aufnahmen deutscher Mundarten wurde in den 1920er Jahren gemeinsam von Wilhelm Doegen und dem Marburger Germanisten Ferdinand Wrede angefertigt. Die Aufnahmen waren als Ergänzung zum Deutschen Sprachatlas gedacht, der unter Wredes Leitung an der Marburger Philipps-Universität erarbeitet wurde und der die räumliche Verbreitung der deutschen Dialekte erfassen und dokumentieren sollte.
Grundlage der Aufnahmen für den Sprachatlas waren die sogenannten Wenkersätze, die in der deutschen Mundartforschung bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur systematischen Datenerhebung verwendet wurden. Es handelt sich dabei um insgesamt 40, von dem Germanisten Georg Wenker zusammengestellte, hochsprachliche Sätze, die von Sprechern lokaler Dialekte in ihre jeweiligen Mundarten zu "übersetzen" waren und die so ausgewählt waren, dass die typischen lautlichen und grammatischen Merkmale der einzelnen Dialekte dabei hervortreten mussten.
1917 hatte Wilhelm Doegen gemeinsam mit dem Chemiker Prof. Ludwig Darmstaedter an der Preußischen Staatsbibliothek mit dem Aufbau einer Sammlung von Stimmportraits bekannter Persönlichkeiten begonnen. Diese Sammlung war als Ergänzung zu Darmstaedters Autographensammlung zur Geschichte der Wissenschaft gedacht und sollte dem Zweck dienen, die Stimmen solcher Persönlichkeiten aufzubewahren, an deren Erhaltung für die Nachwelt aus damaliger Sicht ein historisches Interesse bestand. Zusamen mit den grammophonischen Aufnahmen der Königlich Preußischen Phonographischen Kommission wurde diese Sammlung 1920 in die neu gegründete Lautabteilung der Preußischen Staatsbibliothek übernommen und dort bis 1944 fortgeführt.
Zu den Personen, deren Stimmen man für bewahrenswert hielt und von denen grammophonische Aufnahmen gemacht wurden, gehören u.a. Wilhelm II, Theobald von Bethmann-Hollweg, Paul von Hindenburg, Gustav Noske, Philipp Scheidemann, Friedrich Ebert, Alfred von Tirpitz und Max Planck.
Da Live-Aufnahmen im heutigen Sinne damals noch nicht möglich waren, wurden die betreffenden Persönlichkeiten gebeten, einzelne Passagen aus bereits gehaltenen öffentlichen Reden oder Vorträgen für die Aufnahmen zu wiederholen oder aus ihren Werken zu lesen.
Anders als bei den wissenschaftlichen Sprachaufnahmen wurde auf eine ausführliche Dokumentation dieser Stimmportraits weitgehend verzichtet. Dafür findet sich auf den Platten in der Regel die handschriftliche, in die Platte gepresste Signatur des Sprechers.
Die historischen Tondokumente des Berliner Lautarchivs stellen ein in seiner Art einmaliges kulturelles und wissenschaftsgeschichtliches Erbe dar, dessen Erhalt und Pflege aufwendige konservatorische Maßnahmen erfordert. Um die Aufnahmen auch für die Zukunft zu sichern und verfügbar zu halten, werden sie seit 1999 in einem von der Volkswagen-Stiftung geförderten Projekt sukzessive auf digitale Tonträger überspielt. Gleichzeitig werden sie im Rahmen des Sammlungsprojekts der Humboldt-Universität, das sich die systematische Erschließung der universitätseigenen wissenschaftlichen Sammlungen zur Aufgabe gemacht hat, in eine multimediale Datenbank eingespeist, über die sie zukünftig für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich sein werden.
Bayer, Kirsten/Mahrenholz, Jürgen-K.
| 2000 | Stimmen der Völker" - Das Berliner Lautarchiv. In: Theater der Natur und Kunst (Katalog), herausgegeben von Horst Bredekamp, Jochen Brüning und Cornelia Weber. Berlin, Henschel, S. 117-128. |
2003 | Zum Lautarchiv und seiner wissenschaftlichen Erschließung durch die Datenbank IMAGO. |
| 1996 | Historische Schallaufnahmen - Das Lautarchiv an der Humboldt-Universität zu Berlin. In: Elektronische Sprachsignalverarbeitung - Siebente Konferenz Berlin. Studientexte zur Sprachkommunikation, Heft 13, S. 28-45. |
| 2000 | Die akustischen Sammlungen - Historische Tondokumente im Phonogramm-Archiv und im Lautarchiv. In: Theater der Natur und Kunst (Essays), herausgegeben von Horst Bredekamp, Jochen Brüning und Cornelia Weber. Berlin, Henschel, S. 197-206. |
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elke.dietz@student.hu-berlin.de
Markus Kirsch stud. phil., stud. Hilfskraft
maki23@web.de
Doris Knöfel stud. phil., stud. Hilfskraft
doris.knoefel@rz.hu-berlin.de
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j.mahrenholz@rz.hu-berlin.de
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Humboldt-Universität zu Berlin
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