© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha / Humboldt-Universität zu Berlin / Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, digitale Reproduktion: Jester Blank GbR
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© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha / Humboldt-Universität zu Berlin / Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, digitale Reproduktion: Jester Blank GbR
Event (abgeschlossen)
Humboldt Forum Highlights - "Nicht wissen – Wissen – Nie wissen?"

04.04.2019 - 19:30 Uhr bis
04.04.2019 - 22:00 Uhr
Ort
Neues Museum
Bodestraße 1-3, 10178 Berlin

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Humboldt Forum Hightlights widmet sich das 
Gespräch #7 "Nicht wissen – Wissen – Nie wissen?" dem Orobates Pabsti, der zukünftig in der Ausstellung im 1. OG im Humboldt Forum auf der Fläche der Humboldt-Universität zu Berlin präsentiert wird.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich. Das Gespräch findet auf Deutsch statt.

Orobates Pabsti

Vor rund 300 Millionen Jahren lebte Orobates pabsti – lange vor den Dinosauriern. Obwohl sich dieses Fossil, das 1998 in Thüringen gefunden wurde, nur teilweise aus dem Gestein präparieren ließ, konnte es im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts digitalisiert, in ein lebensgroßes Modell überführt und animiert werden.

Das 1998 in der Nähe von Gotha gefundene Skelett eines fossilen Landwirbeltieres, eines sogenannten Diadectiden, war eine Sensation: Der Fund stellte sich als Exemplar einer bis dahin unbekannten Diadectidenart heraus. Diese Wirbeltiere sind nahe Verwandte des letzten gemeinsamen Vorfahrens von Echsen, Schlangen, Schildkröten, Krokodilen, Vögeln und Säugern – und daher auch des Menschen. Diadectiden lebten vor rund 300 Millionen Jahren, etwa 65 Millionen Jahre vor den Dinosauriern.

Das mineralisierte Skelett des Orobates pabsti ist nahezu vollständig erhalten und in einem unübertroffen guten Zustand. Seit 2007 weiß man, dass auch einige fossile Fährten, die an derselben Fundstelle geborgen werden konnten, von Orobates pabsti erzeugt wurden. Eine ältere Verbindung zwischen einer Fährte und einer Tierart ist bislang nicht bekannt.

URSAURIER AUS DeEM 3D-DRUCKER

Mit modernsten Forschungsmethoden aus verschiedenen Disziplinen konnten Wissenschaftler dem Fossil buchstäblich „auf die Spur“ kommen. Ausgangspunkt des Projekts waren dabei das Skelett und ein versteinerter Fährtenabdruck. Mittels eines modernen Computertomographie-Verfahrens wurden zunächst hochauflösende Scans erzeugt. Aus diesen Scans ließ sich am Computer ein 3D-Modell entwickeln, das anhand detaillierter biomechanischer Analysen heutiger Tiere animiert werden konnte.

Schrittlängen und -breite der fossilen Fährte ermöglichten Aufschlüsse nicht nur über den Bewegungsablauf, sondern in der Analyse auch über die Körperhaltung von Orobates pabsti. Jeder einzelne Knochen wurde anschließend 3D-gedruckt und in aufwendiger Arbeit durch einen Präparator montiert, bis schließlich aus dem gefundenen Fossil das körperhafte, lebensgroße Modell des Tieres entstanden war.

Das Modell verdeutlicht, dass wissenschaftliche Erkenntnis von vielen Faktoren abhängig ist – auch von technischen Möglichkeiten. Dank Hochleistungsrechnern, bildgebenden Verfahren, die das Objekt nicht beschädigen, und 3D-Druck bekommen wir heute einen plastischen Eindruck dieses Tieres. Dies, ohne dass die materielle Grundlage in Gänze vorhanden gewesen wäre und obwohl die Knochen größtenteils fragmentiert und plastisch deformiert waren. Diese Dinge mussten am Computer „repariert“ werden.

DAS FARBIGE SKELETT

Anhand der Farbgestaltung lässt sich die methodische Herangehensweise der Rekonstruktion nachvollziehen: Rot gefärbt sind jene Teile, die im Scanverfahren direkt vom Fossil abgenommen werden konnten. Gespiegelte Teile (z. B. Extremitäten und Rippenbögen) sind blau. Gelb eingefärbt erscheinen Körperteile, die sich skalieren ließen (z.B. Wirbel), aber auch zu einem Gutteil modelliert werden mussten. Auf diese Weise macht das Wissenschaftlerteam zudem transparent, dass das rekonstruierte Skelett eines Fossils das Aussehen des Tieres nicht „authentisch“ wiedergibt, sondern häufig auch auf Schlussfolgerungen und Annahmen basiert.

VOM FOSSIL ZUM ROBOTER

Die Forschergruppe ging auch der Frage nach, wie sich das Tier fortbewegte. Ziel war es, dadurch Erkenntnisse über seine Lebensweise gewinnen zu können. Spezialisten vermaßen und digitalisierten die Knochen, studierten die Bewegungen heutiger Reptilien, verglichen deren Körperbau mit denen fossiler Exemplare, erstellten Röntgenprojektionsaufnahmen und entwickelten verschiedene Modelle. Sie ließen das Fossil virtuell in seine eigenen Fußstapfen treten und konnten so mittels neuester Technik die Animation eines laufenden Orobates pabsti erstellen. So war es möglich, ein annähernd realistisches Bild von der Fortbewegung des Tieres zu gewinnen. Zu den Ergebnissen des Forschungsprojekts gehört auch ein Roboter des Orobates pabsti, der OroBOT. Damit sind wichtige Grundlagen für eine weitere Erforschung dieses Ursauriers gelegt.