Mörder, Monster, Katastrophen  
 
Während in der Anfangszeit des Buchdrucks das religiöse Flugblatt dominierte, verbreiterte sich ab 1500 das Themenspektrum enorm. Flugblätter entwickelten sich zu wichtigen Kommunikationsmedien und Nachrichtenträgern. Ihre Einblättrigkeit garantierte relativ geringe Produktionskosten, eine schnelle Herstellung und erleichterte eine überregionale Verbreitung.
Die Drucke boten Unterhaltung und Belehrung, wobei Sensationslust und Informationsbedarf gleichermaßen angesprochen und befriedigt wurden. Neben Gesellschaftssatiren, religiöser Propaganda und politischer Meinungsmache finden sich auch Flugblätter, die sich um eine sachliche Berichterstattung bemühten.
Drucktechniken wie der Kupferstich und die Radierung ermöglichten detailgetreue Bilder, die den Informationswert und die Attraktion der Blätter erhöhten. Da Flugblätter eine rasche Verbreitung von Nachrichten ermöglichten, gelten sie als Frühform der Zeitung.
Anathomia oder abconterfettung eynes Mans Leib, wie er inwendig gestaltet ist
Holzschneider
und Drucker:
Heinrich Vogtherr (1490–1556)
Straßburg, 1539
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Originalformat:
28 cm x 53 cm
 
Warhaffte Abbildung
deß Fläckens Plurs, in den Grawen Pündten gelägen
Zürich, 1618
Verleger: Johann Hardmeyer (tätig 1609 – ca. 1640)
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Originalformat:
50,8 cm x 39,2 cm
 
Melcher Hedeloff, ingemein genant Schüzze Melcher
Schweidnitz und Breslau, 1654
Drucker: Johann Perferts Erben (tätig 1631–1656)
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Originalformat:
37 cm x 30,6 cm
 
Die Länge der Spann
Jacob Damman, 1613,
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel,
Originalformat: 28 cm x 35 cm
Neue Forschung zu alten Medien  
 
Im Vergleich zur Gesamtproduktion blieb nur ein geringer Teil an Flugblättern der Frühen Neuzeit erhalten. Zeitgenössischen Sammlern und zufälligen Funden ist es zu verdanken, dass diese Druckwerke überhaupt überliefert sind.
Mit ungefähr 900 Flugblättern besitzt die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel den größten und wichtigsten Bestand. Herzog August der Jüngere beschäftigte im 17. Jahrhundert Agenten, die in ganz Europa Bücher und Einblattdrucke für ihn ankauften. Obwohl bereits Gotthold Ephraim Lessing den Wert der Flugblätter erkannte, erfolgte eine systematische Erschließung erst ab den 1970er Jahren.
Unter der verdienstvollen Leitung von Wolfgang Harms und  Michael Schilling sind mittlerweile sechs voluminöse Bände erschienen. Erfasst und quellenkritisch kommentiert wurden nicht nur die Bestände in Wolfenbüttel, sondern auch Sammlungen in Darmstadt und Zürich. Die Publikationen weckten das wissenschaftliche Interesse und verschafften dem Medium neue Popularität weit über die Fachgrenzen hinaus.
 
 
Aus: Brief vom 10. Januar 1779 an Johann Gottfried Herder (1744–1803)
 
Unter Bilderreimen versteh ich die Gedichte, welche sich am Ende des 16ten Jahrhunderts, bis gegen die Mitte des folgenden, so häuffig auf einzeln fliegenden Kupferstichen oder Holzschnitten, satyrischmoralischen, und satyrischpolitischen Inhalts, befinden, deren ich eine ziemlich Menge gesammelt habe, und die zum Theil, selbst von der Seite der Kunst, nichts weniger als zu verachten sind.
 
Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), ab 1770 Bibliothekar
der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
 
 
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